Winzige Veränderung der Spielumgebung – große Wirkung auf das Immunsystem von Kindern
Studie aus Finnland zeigt überraschend schnelle Effekte
Eine finnische Forschungsgruppe hat untersucht, welchen Einfluss die Spielumgebung auf die Gesundheit von Kindergartenkindern haben könnte. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Bereits eine vergleichsweise kleine Anpassung der Spielplatzgestaltung führte innerhalb weniger Wochen zu messbaren Veränderungen im Immunsystem der Kinder.
Natürliche Materialien statt Kies und Asphalt
Die Wissenschaftler griffen in mehreren Kindertagesstätten gezielt in die Gestaltung der Außenspielflächen ein. Anstatt auf übliche Beläge wie Kies oder Asphalt zu setzen, brachten sie verschiedene natürliche Substanzen aus. Dazu zählten Waldboden, Moos, Laub sowie heimische Pflanzenarten. Ziel war es, die Kinder auf spielerische Weise mit den Mikroorganismen in Kontakt bringen zu lassen, die in natürlichen Umgebungen vorkommen.
Deutliche biologische Unterschiede nach nur 28 Tagen
Die Auswirkungen ließen nicht lange auf sich warten. Schon nach vier Wochen stellten die Forschenden signifikante biologische Unterschiede fest. Bei den Mädchen und Jungen, die sich auf den naturnah gestalteten Flächen bewegten, zeigte sich eine größere Vielfalt an Mikroben – sowohl auf der Haut als auch im Darm. Diese erhöhte mikrobielle Diversität gilt in der Fachwelt als wichtiger Indikator für ein gut funktionierendes Immunsystem.
Höhere regulatorische T-Zellen als Schutz vor Überreaktionen
Ein weiterer Befund betraf spezifische Immunzellen. Die Kinder mit dem häufigeren Kontakt zu natürlichen Materialien wiesen höhere Werte an sogenannten regulatorischen T-Zellen auf. Diese Zellen spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle von Entzündungsprozessen, indem sie übermäßige Immunreaktionen eindämmen. Ein Mangel an diesen Zellen wird unter anderem mit der Entwicklung von Allergien und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. Bei der Vergleichsgruppe, die weiterhin auf konventionellen Spielplatzbelägen spielte, blieben diese Veränderungen aus.
Bestätigung der Biodiversitätshypothese
Die Untersuchung liefert damit weitere Argumente für die sogenannte Biodiversitätshypothese. Diese geht davon aus, dass ein geringer Kontakt mit einer artenreichen natürlichen Umgebung – wie er im städtischen Lebensstil häufig vorkommt – das Risiko für allergische und immunologische Erkrankungen erhöhen kann. Die finnischen Daten untermauern diesen Zusammenhang, da sie zeigen, wie schnell selbst einfache naturnahe Maßnahmen das Immunsystem positiv beeinflussen können.
Bemerkenswert geringer Aufwand für potenziell große Wirkung
Was die Studie besonders hervorhebt, ist die Schlichtheit der Intervention. Die Kinder mussten keine extremen Outdoor-Aktivitäten ausüben oder lange Zeit in der Wildnis verbringen. Es handelte sich um das gewohnte, alltägliche Spielen – nur in einer Umgebung, die natürlicher gestaltet war als üblich. Offenbar genügt schon ein regelmäßiger, kleinteiliger Kontakt mit Erde und Pflanzen, um das innere mikrobielle Gleichgewicht und die Reifung des Immunsystems zu beeinflussen.
Kritische Einordnung und offene Fragen
Die Ergebnisse sind vielversprechend, werfen aber auch Fragen auf. So bleibt unklar, ob die beobachteten Veränderungen langfristig stabil sind und ob sie tatsächlich zu einer geringeren Rate an Allergien oder anderen Immunerkrankungen führen. Zudem wurden die Kinder nur über einen relativ kurzen Zeitraum begleitet. Ob sich die Effekte bei unterschiedlichen Jahreszeiten oder in anderen geografischen Regionen ebenfalls zeigen, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Dennoch liefert die Arbeit einen wichtigen Hinweis darauf, dass Stadtplanung und Gestaltung von öffentlichen Spielflächen gesundheitliche Aspekte stärker berücksichtigen könnten.
Quellen:
- Roslund, M. I. et al. (2020): „A biodiversity intervention alters the gut and skin microbiome and immune markers in children in a randomized controlled trial.“ Veröffentlicht in: Science Advances, Vol. 6, No. 43. DOI: 10.1126/sciadv.aba2578
- Haahtela, T. et al. (2019): „The biodiversity hypothesis and allergic disease: world allergy organization position statement.“ World Allergy Organization Journal.
- von Hertzen, L. et al. (2011): „Natural immunity. Biodiversity loss and inflammatory diseases are two global megatrends that might be related.“ EMBO Reports.




