Ein Generator, der die Welt hätte verändern können
Im Jahr 1919 sorgte ein junger Tüftler aus Seattle für Aufsehen. Alfred M. Hubbard, ein Name der heute kaum noch geläufig ist, stellte damals einen besonderen Generator vor, den er für 90 US-Dollar entwickelt hatte. Seine Versprechen klangen, als würden sie einer Science-Fiction-Entstammen. Hubbard prophezeite, seine Erfindung würde jede konventionelle Dampf- oder Gasmachine überflüssig machen und den gesamten Transportsektor um Jahrhunderte beschleunigen. Vor allem aber versprach er etwas, das damals wie heute die Fantasie beflügelt: Strom für jedes Haus, unabhängig von einem bestehenden Netz, frei von Generatoren, Transformatoren und kilometerlangen Leitungen.
Das Geheimnis im Herzstück: Radium als Energiequelle
Der eigentliche Clou von Hubbards Apparat war seine vermeintliche Antriebsquelle: Radium. Dieses radioaktive Metall sollte den Generator in Gang setzen. Gerade dieser Umstand lädt aus heutiger Sicht zum kritischen Nachdenken ein. Die Verwendung eines derart umstrittenen Materials wirft Fragen auf und nährt bisweilen den Verdacht, dass bahnbrechende, aber unbequeme Erfindungen bewusst in ein schlechtes Licht gerückt oder zum Schweigen gebracht werden könnten. Hubbard selbst sah in der Nutzung der natürlichen Strahlung keinen Rückschritt, sondern einen großen Schritt in die Zukunft – hin zu einer Form von Elektrizität, die gewissermaßen „aus der Luft“ gewonnen wird und sogar ein Automobil antreiben könnte.
Vom Labor auf die Straße: Das Auto, das ohne Tank fuhr
Die Idee, ein Fahrzeug mit einer solchen Energiequelle zu betreiben, war nicht allein Hubbards Gedankenspiel. Bereits im frühen 19. Jahrhundert experimentierte ein Erfinder namens Ammann mit einem sogenannten atmosphärischen Radiogenerator, den er an ein Auto anschloss. Sein Apparat war verblüffend simpel: ein kleiner Zylinder, bestückt mit Stahldrähten und zwei Messingkugeln, die mit speziellen Mineralien gefüllt waren. Ammann gab freimütig zu, mit seiner Arbeit gängige physikalische Lehrsätze infrage zu stellen. Sein Prinzip lehnte sich zwar an die Technik des drahtlosen Telefons an, ging aber deutlich darüber hinaus, da es scheinbar Energie aus dem umgebenden Raum bezog. Für ihn war das automobil nur ein erster Praxistest; die wahre Bestimmung seiner Erfindung sah er in der Beleuchtung ganzer Gebäude und dem Antrieb von Industrieturbinen und Motoren.
Experten staunen, die Behörden schweigen
Die Fachwelt zeigte sich durchaus beeindruckt. N. Davis, Inhaber der renommierten Davis Electric Garage, untersuchte den Generator eingehend. Sein Urteil fiel eindeutig aus: Diese Technologie habe das Zeug, die gesamte Branche der Stromerzeugung zu revolutionieren. Doch genau hier beginnt der mysteriöse Teil der Geschichte. Nur eine Woche, nachdem diese vielversprechenden Einschätzungen öffentlich wurden, reiste der Erfinder nach Washington, D.C., um ein Patent anzumelden. Dieses Patent wurde jedoch niemals offiziell eingetragen. Die Papiere verschwanden, und mit ihnen verblasste die öffentliche Erinnerung an die Erfindung.
Ein Vermächtnis in der Schublade
Was damals geschah, lässt Raum für Spekulation. Handelte es sich bei Hubbards und Ammanns Arbeiten um frühe, unausgereifte Versuche im Bereich der sogenannten Freien Energie – eine Technologie, die aus Sicht mancher Beobachter bereits in der „Alten Welt“ bekannt war, bevor sie systematisch unterdrückt wurde? Oder scheiterten die Projekte schlicht an den unbeherrschbaren Risiken des Radiums und den fundamentalen Grenzen der Physik? Die Geschichte dieser Generatoren ist heute nur noch eine Fußnote in den Annalen der Technikgeschichte. Sie verkörpert den ewigen Traum von einer unerschöpflichen, sauberen Energiequelle und gleichzeitig die hartnäckige Frage, ob alle Wege dorthin wirklich schon beschritten wurden oder ob einige Entwürfe für immer in den Archiven derjenigen verschwunden sind, die den Energiemarkt kontrollieren. Die Legende um den Radium-Generator bleibt damit ein faszinierendes Rätsel aus einer Zeit, als die Grenzen des Möglichen noch weit gesteckt schienen.




