Lernen zu Hause: Was der Schulstoff wirklich verlangt
Ein Blick auf den Stundenplan eines bayerischen Drittklässlers offenbart Überraschendes. Die Zahlen in Klammern zeigen die wöchentlichen Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten. Deutsch steht mit sechs Stunden an der Spitze, Mathematik folgt mit fünf. Englisch kommt auf lediglich zwei Stunden – ein Umfang, der in der Grundschule eher der spielerischen Begegnung mit der Fremdsprache dient als ernsthaftem Sprachunterricht.
Die Nebenfächer im Alltag integrieren
Religion oder Ethik nehmen drei Stunden ein. Werken und Gestalten zwei weitere. Kunst, Musik und Sport kommen auf eins, zwei beziehungsweise drei Stunden. Förderunterricht rundet das Paket mit einer Stunde ab. Rechnet man zusammen, machen diese Fächer etwa die Hälfte der gesamten Unterrichtszeit aus.
Genau hier liegt eine Chance für das Lernen zu Hause. Viele dieser Inhalte lassen sich nämlich ganz selbstverständlich in den Familienalltag einweben. Gespräche über Spiritualität, das Vorlesen aus Kinderbibeln oder das Entdecken anderer Religionen mit passender Kinderliteratur – all das sind keine künstlichen Lernsituationen, sondern natürliche Momente der Begegnung.
Die kreativen Fächer bieten ebenso viel Raum für gemeinsames Tun. Malen mit Wasserfarben, Gestalten mit verschiedenen Materialien, Sägen, Stricken, Häkeln oder Weben – all diese Tätigkeiten sind nicht nur kunstpädagogisch wertvoll, sondern bereiten Kindern auch echte Freude. Musik lässt sich durch Singen, Instrumentalspiel und das Erlernen von Noten erschließen, wobei ein Instrumentallehrer hier ohnehin die fachliche Anleitung übernimmt.
Sportliche Betätigung findet oft außerhalb der Schule statt. Vereine bieten Mannschaftssport, dazu kommen Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Wintersportarten. Nicht zu vergessen: eine Schneeballschlacht im Winter zählt durchaus zur Bewegungserziehung.
Naturkunde und Umwelt entdecken
Heimat- und Sachkunde öffnet ein weites Feld. Das Beobachten von Tieren, das Kennenlernen von Pflanzen und Bäumen, der Jahreslauf in der Natur – all das geschieht meist beiläufig beim Spaziergang oder Ausflug. Ein Besuch auf dem Bauernhof, das Erkunden der eigenen Heimat, der Blick auf einen Stadtplan oder der Besuch eines Wasserkraftwerks machen Sachkunde lebendig. Experimente zu Hause runden das Ganze ab.
Betrachtet man diese Aufzählung, drängt sich eine Frage auf: Macht nicht eine aktive Familie das meiste davon ohnehin? Und geschieht dies nicht meist mit großer Begeisterung aller Beteiligten?
Die Hauptfächer im Fokus
Bleiben die sogenannten Hauptfächer. Deutsch und Mathematik zusammen kommen auf elf Wochenstunden. Umgerechnet auf fünf Tage sind das gut anderthalb Stunden täglich. Wer mit dem schulischen Tempo Schritt halten möchte, sollte für diese Fächer etwa eine Stunde täglich einplanen. Geeignete Arbeitshefte und Bücher gibt es zahlreich auf dem Markt.
In höheren Klassenstufen verschiebt sich das Bild. Der Alltag bietet dann weniger Gelegenheit für praktisches Lernen. Zudem drängen weitere Fächer wie Geografie, Geschichte oder Physik in den Stundenplan. Entsprechend mehr Zeit muss für das häusliche Lernen eingeplant werden.
Ein kritischer Blick auf den Schulbetrieb
Die Schule bleibt ein Ort mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Lehrer erkranken mitunter über Monate. Unterricht fällt aus. Und nicht jede Stunde wird optimal genutzt – schon gar nicht für jedes einzelne Kind individuell. Diese Realität sollten Eltern bei der Einschätzung des häuslichen Lernaufwands berücksichtigen.
Die Rechnung geht auf: Ein Großteil dessen, was in der Grundschule gelehrt wird, ist tatsächlich kein Hexenwerk. Es sind alltägliche Erfahrungen, die Kinder in einer anregenden Umgebung ganz von selbst machen. Die schulische Vermittlung dieser Inhalte mag formell sein, das Lernen selbst geschieht oft beiläufig und mit Freude.
Wie viel Zeit sollten Eltern täglich für Deutsch und Mathematik einplanen?
Für einen Drittklässler reichen etwa 60 Minuten am Tag, wenn man mit der Schule Schritt halten will. Deutsch und Mathe kommen zusammen auf elf Wochenstunden. Das sind umgerechnet gut anderthalb Stunden täglich. Wer weniger Zeit investiert, bleibt möglicherweise zurück. Wer mehr gibt, kann den Stoff vertiefen.
Welche Bedeutung haben die Nebenfächer beim Lernen zu Hause?
Sie machen rund die Hälfte des Unterrichts aus. Religion, Werken, Kunst, Musik und Sport bieten viele Möglichkeiten für den Familienalltag. Eltern malen gemeinsam, singen, basteln oder treiben Sport. Das geschieht oft nebenbei. Künstliche Lernsituationen braucht es nicht.
Können Eltern den Englischunterricht in der Grundschule ersetzen?
In der Grundschule geht es vor allem um spielerisches Heranführen. Zwei Stunden pro Woche sind wenig. Eltern gleichen das leicht aus. Sie hören englische Kinderlieder, singen mit oder spielen Farben und Zahlen auf Englisch. Ein Reim oder Spruch hilft ebenfalls. So bleibt die Fremdsprache präsent.
Was umfasst das Fach Heimat- und Sachkunde?
Kinder beobachten Tiere und Pflanzen im Jahreslauf. Sie lernen Bäume, Blumen und Gemüsesorten kennen. Ein Besuch auf dem Bauernhof gehört dazu. Auch die eigene Heimat, die Uhr, ein Stadtplan oder der menschliche Körper sind Themen. Experimente, Handwerke und Ausflüge zu Kläranlagen oder Wasserkraftwerken runden das Fach ab. Eine aktive Familie macht vieles davon ohnehin.
Wie lassen sich Musik, Kunst und Sport zu Hause umsetzen?
Musik bedeutet Singen, Instrumente lernen und Noten lesen. Kunst und Werken bieten Raum für Malen, Sägen, Stricken, Häkeln oder Weben. Sport findet oft im Verein statt. Dazu kommen Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Wintersport. Sogar eine Schneeballschlacht zählt. All das ist Schule – und macht meist Freude.
Wie können Eltern Religion oder Ethik zu Hause behandeln?
Sie sprechen mit ihren Kindern über Spiritualität. Vorlesen aus der Kinderbibel gefällt Drittklässlern oft. Gemeinsam bewundern sie die Schöpfung. Sie beten miteinander. Auch andere Religionen kommen zur Sprache. Dazu lesen sie in geeigneten Kinderbüchern. So wird das Fach lebendig.
Warum ist der Schulunterricht nicht immer optimal für jedes Kind?
Lehrer werden krank. Manchmal fallen sie monatelang aus. Unterricht entfällt aus verschiedenen Gründen. Nicht jede Stunde bringt vollen Ertrag. Schon gar nicht individuell für jedes einzelne Kind. Eltern sollten diese Realität bei der Planung des häuslichen Lernens bedenken.
Ändert sich der Lernaufwand in höheren Klassenstufen?
Ja, er steigt. In der Mittel- und Oberstufe bieten Alltag und Umgebung weniger Übungsfeld. Fächer wie Geografie, Geschichte und Physik drängen sich in den Lernplan. Eltern müssen mehr Zeit einplanen. Eine genaue Stundenzahl gibt es nicht.
Ist der Grundschulstoff wirklich schwer?
Nein, er ist kein Hexenwerk. Vieles geschieht beiläufig. Kinder lernen durch Beobachten, Ausprobieren und Mitspielen. Die formelle Vermittlung in der Schule mag anders sein. Doch der Stoff selbst ist alltagsnah. Eltern können ihn leicht begleiten.
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