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	<title>samenfeste Sorten &#8211; Unser neues Wir</title>
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		<title>Saatgut als Widerstand: Italiens Bewahrer alter Sorten trotzen den neuen EU-Gentechnik-Regeln</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Unser neues Wir]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 11:13:00 +0000</pubDate>
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<button class="responsivevoice-button" type="button" title="ResponsiveVoice Tap to Start/Stop Speech" data-rvtts-action="speak" data-rvtts-text="+ In der Toskana, in den Alpentälern Venetiens und in kleinen Vereinsräumen von Scandicci bis Sizilien formiert sich Widerstand. Eine leise, aber beharrliche Bewegung wächst. Saatgutbewahrer retten alte, lokal angepasste Pflanzensorten vor dem Verschwinden. Ihr Anliegen klingt einfach, ist aber politisch hochbrisant. Landwirte sollen selbst entscheiden können, welches Saatgut sie anbauen, vermehren und weitergeben – unabhängig von den großen Agrarkonzernen, die den globalen Saatgutmarkt dominieren. Ein Netzwerk mit Tradition und Tiefgang Die Bewegung hat ein Gesicht: Rete Semi Rurali, das italienische Bauern-Saatgutnetzwerk. Gegründet 2007 von sieben Organisationen, zählt es heute 41 Mitgliedsorganisationen. Ziel war es von Anfang an, die Aktivitäten bestehender Vereinigungen im Bereich Saatgutsysteme und nachhaltige Landwirtschaft zu bündeln. Der Leitgedanke ist einfach und radikal zugleich. Jeder Boden braucht sein eigenes Saatgut. Ökologische und biodynamische Anbaumodelle funktionieren nur, wenn sie auf Sorten basieren, die tatsächlich an die jeweilige Region angepasst sind. Ein standardisiertes, industrielles Saatgutsystem kann das kaum leisten. Doch Rete Semi Rurali ist nicht allein. In den vergangenen Jahren hat sich Cercatori di Semi etabliert – die &quot;Saatgutsucher&quot;. Ihr internationaler Ableger firmiert unter dem Namen Seeds Hunters. Die Organisation sammelt gezielt samenfeste, alte Lokalsorten von Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten. Sorten, die im konventionellen Handel längst verschwunden sind. Oft sind sie besser an Trockenheit, Krankheitsdruck oder kargere Böden angepasst als moderne Hochleistungssorten. Kleinere Initiativen wie die &quot;Arca&quot; von Civiltà Contadina oder das Netzwerk Cereali in Rete ergänzen dieses wachsende Ökosystem der Saatgutsouveränität. Brüsseler Beschlüsse als Katalysator Neuen Rückenwind erhält die Bewegung durch eine Entscheidung aus Brüssel. Am 17. Juni 2026 gab das Europäische Parlament grünes Licht für eine neue Verordnung über Pflanzen, die mithilfe neuer genomischer Techniken wie CRISPR erzeugt wurden. Damit endet ein jahrelanger Streit. Er reicht zurück bis zu einem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs von 2018. Damals wurde entschieden, dass gentechnisch verändertes Saatgut denselben strengen Regeln unterliegt wie klassische GVO. Die neue Verordnung führt nun ein zweistufiges System ein. Pflanzen der Kategorie 1, die als gleichwertig mit konventionell gezüchteten Sorten gelten, durchlaufen künftig ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Pflanzen der Kategorie 2 bleiben dagegen dem strengeren, bestehenden GVO-Recht unterworfen. Formal tritt die Verordnung bereits am 16. Juli 2026 in Kraft. Die eigentliche Anwendung der meisten Bestimmungen beginnt jedoch erst nach einer zweijährigen Übergangsfrist – also ungefähr Mitte 2028. Die brennenden Sorgen der Saatgutbewahrer Für Organisationen wie Rete Semi Rurali und Seeds Hunters wirft die Reform zentrale Fragen auf. Sie gehen weit über technische Details hinaus. Die Patentierbarkeit von NGT-Pflanzen bleibt grundsätzlich möglich. Ausgenommen sind lediglich Merkmale oder Sequenzen, die auch auf natürlichem Weg oder durch klassische Zucht entstehen könnten. Kritiker befürchten eine schleichende Machtkonzentration. Genetisches Material könnte sich in den Händen weniger Konzerne ansammeln. Die neue Verordnung sieht immerhin vor, dass Entwickler von Kategorie-1-Pflanzen ihre Patentinformationen in eine öffentliche Datenbank eintragen müssen. Die EU-Kommission plant zudem einen Verhaltenskodex sowie eine Expertengruppe. Sie soll untersuchen, wie sich Patentrecht auf den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen auswirkt. Die Verordnung enthält Schutzmechanismen gegen Marktkonzentration. Erschwinglichkeit und fairer Zugang für Landwirte sollen sichergestellt werden. Dazu gehört auch das Recht, Saatgut aufzubewahren und erneut auszusäen. Doch eine Frage bleibt offen. Wie stark werden Patente auf einzelne genetische Merkmale künftige, unabhängige Züchtungsarbeit einschränken? Gerade für kleine, lokal verwurzelte Initiativen, die traditionell auf freien Austausch und offene Zucht setzen, ist das von existenzieller Bedeutung. Die Verordnung hat sich letztlich für Transparenzpflichten statt für ein vollständiges Patentverbot entschieden. Ein Teil des Europäischen Parlaments hatte das ursprünglich gefordert. In den Verhandlungen mit dem Rat konnte er sich damit nicht durchsetzen. Mehr als nur Landwirtschaft: Saatgut als kulturelles Erbe Für Netzwerke wie Rete Semi Rurali und Seeds Hunters war der Erhalt alter Sorten nie nur eine technische oder ökologische Frage. Es geht um biologische Vielfalt. Es geht um kulturelles Erbe. Um Bohnen- und Auberginensorten, die seit Generationen in bestimmten Tälern angebaut werden. Um Getreidevarianten, die eng mit lokalen Bräuchen und Rezepten verwoben sind. Die neue EU-Verordnung hat diesen älteren Fragen eine neue, konkrete politische Bühne verschafft. Wie ihre praktischen Auswirkungen bis 2028 auch immer aussehen mögen – die Debatte über Saatgutsouveränität, Patente und die Zukunft der europäischen Landwirtschaft wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen. Die Bewegung in Italien ist bereit. Sie wird sich nicht so leicht unterkriegen lassen. Häufige Fragen+ Was bezweckt die Bewegung der Saatgutbewahrer in Italien? Die Bewegung will Landwirten die Freiheit zurückgeben, selbst über ihr Saatgut zu entscheiden. Alte, lokal angepasste Sorten sollen bewahrt werden – unabhängig von den großen Agrarkonzernen, die den globalen Markt beherrschen. Es geht um Selbstbestimmung auf dem Feld, aber auch um biologische Vielfalt und kulturelles Erbe. Bohnen, Auberginen und Getreidevarianten, die seit Generationen in bestimmten Tälern angebaut werden, sind mehr als nur Nutzpflanzen. Sie sind Teil einer regionalen Identität. Wer steckt hinter diesem Netzwerk? Die wichtigste Organisation ist Rete Semi Rurali, das italienische Bauern-Saatgutnetzwerk. Gegründet 2007 von sieben Organisationen, vereint es heute 41 Mitgliedsorganisationen. Hinzu kommen Cercatori di Semi – die &quot;Saatgutsucher&quot; – mit ihrem internationalen Ableger Seeds Hunters. Sie sammeln gezielt samenfeste, alte Lokalsorten, die im konventionellen Handel längst verschwunden sind. Kleinere Initiativen wie die &quot;Arca&quot; von Civiltà Contadina oder Cereali in Rete ergänzen dieses Ökosystem der Saatgutsouveränität. Was ist der Leitgedanke dieser Netzwerke? Jeder Boden braucht sein eigenes Saatgut. Ökologische und biodynamische Anbaumodelle können nur funktionieren, wenn sie auf Sorten basieren, die tatsächlich an die jeweilige Region angepasst sind. Ein standardisiertes, industrielles Saatgutsystem kann das nicht leisten. Alte Sorten sind oft besser gegen Trockenheit, Krankheitsdruck oder karge Böden gewappnet als moderne Hochleistungssorten. Welche neuen EU-Regeln sorgen für Aufregung? Am 17. Juni 2026 gab das Europäische Parlament grünes Licht für eine neue Verordnung über Pflanzen, die mit neuen genomischen Techniken wie CRISPR erzeugt wurden. Die Verordnung führt ein zweistufiges System ein. Pflanzen der Kategorie 1 durchlaufen ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Pflanzen der Kategorie 2 bleiben dem strengeren GVO-Recht unterworfen. Formal tritt die Verordnung am 16. Juli 2026 in Kraft. Die meisten Bestimmungen gelten aber erst nach einer zweijährigen Übergangsfrist – also etwa ab Mitte 2028. Warum sehen die Saatgutbewahrer darin ein Problem? Die größte Sorge gilt den Patenten. NGT-Pflanzen bleiben grundsätzlich patentierbar. Nur Merkmale, die auch auf natürlichem Weg oder durch klassische Zucht entstehen könnten, sind ausgenommen. Die Kritiker befürchten eine schleichende Machtkonzentration. Genetisches Material könnte sich in den Händen weniger Konzerne ansammeln. Das würde den freien Austausch von Saatgut, auf den kleine Initiativen angewiesen sind, massiv erschweren. Was sieht die Verordnung zur Transparenz vor? Entwickler von Kategorie-1-Pflanzen müssen ihre Patentinformationen in eine öffentliche Datenbank eintragen. Die EU-Kommission plant zudem einen Verhaltenskodex und eine Expertengruppe. Sie soll untersuchen, wie sich Patentrecht auf den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen auswirkt. Gibt es Schutzmechanismen für Landwirte? Ja, die Verordnung sieht Schutzmechanismen gegen Marktkonzentration vor. Erschwinglichkeit und fairer Zugang für Landwirte sollen sichergestellt werden. Dazu gehört auch das Recht, Saatgut aufzubewahren und erneut auszusäen. Warum ist das Thema für die Saatgutbewahrer so existenziell? Für sie geht es nie nur um Technik oder Ökologie. Es geht um biologische Vielfalt und um kulturelles Erbe. Viele Sorten sind eng mit lokalen Bräuchen und Rezepten verwoben. Wenn Patente die unabhängige Züchtung einschränken, ist diese Vielfalt bedroht. Die neue Verordnung hat diese Debatte nun auf eine konkrete politische Bühne gehoben. Wie sich die Regeln bis 2028 praktisch auswirken, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Die Bewegung in Italien ist bereit, sich nicht unterkriegen zu lassen." data-rvtts-voice="Deutsch Female" data-rvtts-brand-url="https://responsivevoice.org/?utm_source=wordpress-plugin&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=powered-by" data-rvtts-brand-label="Powered by ResponsiveVoice"><svg class="rvtts-icon" width="22" height="22" viewBox="0 0 22 22" fill="currentColor" aria-hidden="true" focusable="false"><path fill-rule="evenodd" clip-rule="evenodd" d="M11 0C4.92345 0 0 4.92345 0 11C0 13.2683 0.690345 15.3772 1.86621 17.1221L0.811724 21.0517L4.70345 20.0124C6.48621 21.2641 8.65586 22 11 22C17.0766 22 22 17.0766 22 11C22 4.92345 17.0766 0 11 0ZM3.99793 9.99862C3.99793 9.44483 4.44552 8.99724 4.99931 8.99724C5.5531 8.99724 6.00069 9.44483 6.00069 9.99862V12.0014C6.00069 12.5552 5.5531 13.0028 4.99931 13.0028C4.44552 13.0028 3.99793 12.5552 3.99793 12.0014V9.99862ZM8.99724 13.9966C8.99724 14.5503 8.54966 14.9979 7.99586 14.9979C7.44207 14.9979 6.99448 14.5503 6.99448 13.9966V7.99586C6.99448 7.44207 7.44207 6.99448 7.99586 6.99448C8.54966 6.99448 8.99724 7.44207 8.99724 7.99586V13.9966ZM12.0014 17.0007C12.0014 17.5545 11.5538 18.0021 11 18.0021C10.4462 18.0021 9.99862 17.5545 9.99862 17.0007V4.99931C9.99862 4.44552 10.4462 3.99793 11 3.99793C11.5538 3.99793 12.0014 4.44552 12.0014 4.99931V17.0007ZM14.9979 13.9966C14.9979 14.5503 14.5503 14.9979 13.9966 14.9979C13.4428 14.9979 12.9952 14.5503 12.9952 13.9966V7.99586C12.9952 7.44207 13.4428 6.99448 13.9966 6.99448C14.5503 6.99448 14.9979 7.44207 14.9979 7.99586V13.9966ZM18.0021 12.0014C18.0021 12.5552 17.5545 13.0028 17.0007 13.0028C16.4469 13.0028 15.9993 12.5552 15.9993 12.0014V9.99862C15.9993 9.44483 16.4469 8.99724 17.0007 8.99724C17.5545 8.99724 18.0021 9.44483 18.0021 9.99862V12.0014Z"/></svg><span class="responsivevoice-button__label">Artikel vorlesen lassen</span></button>



<p class="wp-block-paragraph">In der Toskana, in den Alpentälern Venetiens und in kleinen Vereinsräumen von Scandicci bis Sizilien formiert sich Widerstand. Eine leise, aber beharrliche Bewegung wächst. Saatgutbewahrer retten alte, lokal angepasste Pflanzensorten vor dem Verschwinden. Ihr Anliegen klingt einfach, ist aber politisch hochbrisant. Landwirte sollen selbst entscheiden können, welches Saatgut sie anbauen, vermehren und weitergeben – unabhängig von den großen Agrarkonzernen, die den globalen Saatgutmarkt dominieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Netzwerk mit Tradition und Tiefgang</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung hat ein Gesicht: Rete Semi Rurali, das italienische Bauern-Saatgutnetzwerk. Gegründet 2007 von sieben Organisationen, zählt es heute 41 Mitgliedsorganisationen. Ziel war es von Anfang an, die Aktivitäten bestehender Vereinigungen im Bereich Saatgutsysteme und nachhaltige Landwirtschaft zu bündeln. Der Leitgedanke ist einfach und radikal zugleich. Jeder Boden braucht sein eigenes Saatgut. Ökologische und biodynamische Anbaumodelle funktionieren nur, wenn sie auf Sorten basieren, die tatsächlich an die jeweilige Region angepasst sind. Ein standardisiertes, industrielles Saatgutsystem kann das kaum leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Rete Semi Rurali ist nicht allein. In den vergangenen Jahren hat sich Cercatori di Semi etabliert – die &#8220;Saatgutsucher&#8221;. Ihr internationaler Ableger firmiert unter dem Namen Seeds Hunters. Die Organisation sammelt gezielt samenfeste, alte Lokalsorten von Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten. Sorten, die im konventionellen Handel längst verschwunden sind. Oft sind sie besser an Trockenheit, Krankheitsdruck oder kargere Böden angepasst als moderne Hochleistungssorten. Kleinere Initiativen wie die &#8220;Arca&#8221; von Civiltà Contadina oder das Netzwerk Cereali in Rete ergänzen dieses wachsende Ökosystem der Saatgutsouveränität.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Brüsseler Beschlüsse als Katalysator</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neuen Rückenwind erhält die Bewegung durch eine Entscheidung aus Brüssel. Am 17. Juni 2026 gab das Europäische Parlament grünes Licht für eine neue Verordnung über Pflanzen, die mithilfe neuer genomischer Techniken wie CRISPR erzeugt wurden. Damit endet ein jahrelanger Streit. Er reicht zurück bis zu einem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs von 2018. Damals wurde entschieden, dass gentechnisch verändertes Saatgut denselben strengen Regeln unterliegt wie klassische GVO. Die neue Verordnung führt nun ein zweistufiges System ein. Pflanzen der Kategorie 1, die als gleichwertig mit konventionell gezüchteten Sorten gelten, durchlaufen künftig ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Pflanzen der Kategorie 2 bleiben dagegen dem strengeren, bestehenden GVO-Recht unterworfen. Formal tritt die Verordnung bereits am 16. Juli 2026 in Kraft. Die eigentliche Anwendung der meisten Bestimmungen beginnt jedoch erst nach einer zweijährigen Übergangsfrist – also ungefähr Mitte 2028.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die brennenden Sorgen der Saatgutbewahrer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Organisationen wie Rete Semi Rurali und Seeds Hunters wirft die Reform zentrale Fragen auf. Sie gehen weit über technische Details hinaus. Die Patentierbarkeit von NGT-Pflanzen bleibt grundsätzlich möglich. Ausgenommen sind lediglich Merkmale oder Sequenzen, die auch auf natürlichem Weg oder durch klassische Zucht entstehen könnten. Kritiker befürchten eine schleichende Machtkonzentration. Genetisches Material könnte sich in den Händen weniger Konzerne ansammeln. Die neue Verordnung sieht immerhin vor, dass Entwickler von Kategorie-1-Pflanzen ihre Patentinformationen in eine öffentliche Datenbank eintragen müssen. Die EU-Kommission plant zudem einen Verhaltenskodex sowie eine Expertengruppe. Sie soll untersuchen, wie sich Patentrecht auf den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen auswirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verordnung enthält Schutzmechanismen gegen Marktkonzentration. Erschwinglichkeit und fairer Zugang für Landwirte sollen sichergestellt werden. Dazu gehört auch das Recht, Saatgut aufzubewahren und erneut auszusäen. Doch eine Frage bleibt offen. Wie stark werden Patente auf einzelne genetische Merkmale künftige, unabhängige Züchtungsarbeit einschränken? Gerade für kleine, lokal verwurzelte Initiativen, die traditionell auf freien Austausch und offene Zucht setzen, ist das von existenzieller Bedeutung. Die Verordnung hat sich letztlich für Transparenzpflichten statt für ein vollständiges Patentverbot entschieden. Ein Teil des Europäischen Parlaments hatte das ursprünglich gefordert. In den Verhandlungen mit dem Rat konnte er sich damit nicht durchsetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr als nur Landwirtschaft: Saatgut als kulturelles Erbe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Netzwerke wie Rete Semi Rurali und Seeds Hunters war der Erhalt alter Sorten nie nur eine technische oder ökologische Frage. Es geht um biologische Vielfalt. Es geht um kulturelles Erbe. Um Bohnen- und Auberginensorten, die seit Generationen in bestimmten Tälern angebaut werden. Um Getreidevarianten, die eng mit lokalen Bräuchen und Rezepten verwoben sind. Die neue EU-Verordnung hat diesen älteren Fragen eine neue, konkrete politische Bühne verschafft. Wie ihre praktischen Auswirkungen bis 2028 auch immer aussehen mögen – die Debatte über Saatgutsouveränität, Patente und die Zukunft der europäischen Landwirtschaft wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt gewinnen. Die Bewegung in Italien ist bereit. Sie wird sich nicht so leicht unterkriegen lassen.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was bezweckt die Bewegung der Saatgutbewahrer in Italien?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung will Landwirten die Freiheit zurückgeben, selbst über ihr Saatgut zu entscheiden. Alte, lokal angepasste Sorten sollen bewahrt werden – unabhängig von den großen Agrarkonzernen, die den globalen Markt beherrschen. Es geht um Selbstbestimmung auf dem Feld, aber auch um biologische Vielfalt und kulturelles Erbe. Bohnen, Auberginen und Getreidevarianten, die seit Generationen in bestimmten Tälern angebaut werden, sind mehr als nur Nutzpflanzen. Sie sind Teil einer regionalen Identität.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wer steckt hinter diesem Netzwerk?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigste Organisation ist Rete Semi Rurali, das italienische Bauern-Saatgutnetzwerk. Gegründet 2007 von sieben Organisationen, vereint es heute 41 Mitgliedsorganisationen. Hinzu kommen Cercatori di Semi – die &#8220;Saatgutsucher&#8221; – mit ihrem internationalen Ableger Seeds Hunters. Sie sammeln gezielt samenfeste, alte Lokalsorten, die im konventionellen Handel längst verschwunden sind. Kleinere Initiativen wie die &#8220;Arca&#8221; von Civiltà Contadina oder Cereali in Rete ergänzen dieses Ökosystem der Saatgutsouveränität.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist der Leitgedanke dieser Netzwerke?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder Boden braucht sein eigenes Saatgut. Ökologische und biodynamische Anbaumodelle können nur funktionieren, wenn sie auf Sorten basieren, die tatsächlich an die jeweilige Region angepasst sind. Ein standardisiertes, industrielles Saatgutsystem kann das nicht leisten. Alte Sorten sind oft besser gegen Trockenheit, Krankheitsdruck oder karge Böden gewappnet als moderne Hochleistungssorten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Welche neuen EU-Regeln sorgen für Aufregung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Juni 2026 gab das Europäische Parlament grünes Licht für eine neue Verordnung über Pflanzen, die mit neuen genomischen Techniken wie CRISPR erzeugt wurden. Die Verordnung führt ein zweistufiges System ein. Pflanzen der Kategorie 1 durchlaufen ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Pflanzen der Kategorie 2 bleiben dem strengeren GVO-Recht unterworfen. Formal tritt die Verordnung am 16. Juli 2026 in Kraft. Die meisten Bestimmungen gelten aber erst nach einer zweijährigen Übergangsfrist – also etwa ab Mitte 2028.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum sehen die Saatgutbewahrer darin ein Problem?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die größte Sorge gilt den Patenten. NGT-Pflanzen bleiben grundsätzlich patentierbar. Nur Merkmale, die auch auf natürlichem Weg oder durch klassische Zucht entstehen könnten, sind ausgenommen. Die Kritiker befürchten eine schleichende Machtkonzentration. Genetisches Material könnte sich in den Händen weniger Konzerne ansammeln. Das würde den freien Austausch von Saatgut, auf den kleine Initiativen angewiesen sind, massiv erschweren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was sieht die Verordnung zur Transparenz vor?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entwickler von Kategorie-1-Pflanzen müssen ihre Patentinformationen in eine öffentliche Datenbank eintragen. Die EU-Kommission plant zudem einen Verhaltenskodex und eine Expertengruppe. Sie soll untersuchen, wie sich Patentrecht auf den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen auswirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es Schutzmechanismen für Landwirte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, die Verordnung sieht Schutzmechanismen gegen Marktkonzentration vor. Erschwinglichkeit und fairer Zugang für Landwirte sollen sichergestellt werden. Dazu gehört auch das Recht, Saatgut aufzubewahren und erneut auszusäen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist das Thema für die Saatgutbewahrer so existenziell?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für sie geht es nie nur um Technik oder Ökologie. Es geht um biologische Vielfalt und um kulturelles Erbe. Viele Sorten sind eng mit lokalen Bräuchen und Rezepten verwoben. Wenn Patente die unabhängige Züchtung einschränken, ist diese Vielfalt bedroht. Die neue Verordnung hat diese Debatte nun auf eine konkrete politische Bühne gehoben. Wie sich die Regeln bis 2028 praktisch auswirken, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Die Bewegung in Italien ist bereit, sich nicht unterkriegen zu lassen.</p>
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