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	<title>Föderalismus &#8211; Unser neues Wir</title>
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		<title>Warum lernen Erstklässler in Frankreich Tierschutz – und in Deutschland nicht?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Unser neues Wir]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 11:13:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Seit dem Schuljahr 2024/25 ist Tierschutz kein freiwilliges Randthema mehr im französischen Bildungssystem. Erstmals lernen]]></description>
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                    responsiveVoice.speak("Seit dem Schuljahr 2024/25 ist Tierschutz kein freiwilliges Randthema mehr im französischen Bildungssystem. Erstmals lernen Erstklässler im Rahmen des Moral- und Staatsbürgerkundeunterrichts, wie man mit Haustieren umgeht und warum Tiere Respekt verdienen. Was auf den ersten Blick wie eine kleine Lehrplanergänzung wirkt, ist das Ergebnis eines mehrjährigen politischen Prozesses – und Teil einer breiteren gesellschaftlichen Debatte darüber, wie Frankreich künftig mit Tieren umgehen will. Ein Gesetz schafft die Grundlage Der eigentliche Startschuss fiel bereits im November 2021, als das französische Parlament ein Gesetz verabschiedete, das explizit darauf abzielte, Tierquälerei zu bekämpfen. Neben schärferen Strafen – bis zu fünf Jahre Haft und Geldbußen von 75.000 Euro für schwere Misshandlungen – enthielt das Gesetz einen weniger spektakulären, aber langfristig bedeutsamen Passus: Schulen sollen Schüler für den Respekt gegenüber Haustieren sensibilisieren. Haustiere sollen dabei als empfindungsfähige Wesen vermittelt werden, nicht als Besitztümer. Es dauerte allerdings noch zwei Schuljahre, bis dieser Gesetzesauftrag tatsächlich im Lehrplan ankam. In den Jahren 2022 und 2023 blieb das Thema Tierschutz im offiziellen Curriculum weitgehend unsichtbar. Das änderte sich mit dem Schuljahresbeginn 2024. Was Erstklässler jetzt lernen Der neue Lernbereich trägt den etwas sperrigen Namen „Umgang mit dem Respekt gegenüber Haustieren\" und ist dem Kompetenzbereich „Kollektive Regeln und Autonomie\" zugeordnet. Er richtet sich zunächst an Kinder im ersten Grundschuljahr, also an Sechs- bis Siebenjährige. Inhaltlich geht es darum, dass Tiere Schmerz empfinden, Stress erleben und Wohlbefinden kennen – und dass menschliches Verhalten diese Erfahrungen direkt beeinflusst. Lehrer sollen Kindern helfen zu verstehen, welchen Respekt sie Lebewesen in ihrer unmittelbaren Umgebung schulden. Das klingt abstrakt, ist im Schulalltag aber durchaus greifbar: Wie geht man mit dem Familienhund um? Was braucht eine Katze? Warum ist es falsch, Tieren absichtlich wehzutun? Eingebettet ist der Tierschutz damit in einen größeren Bildungsauftrag, der auf Empathie und Verantwortungsbewusstsein abzielt. Gleichzeitig soll das Grundschulmodul als Fundament für spätere Unterrichtsinhalte dienen. In der Mittelschule behandeln französische Schüler bereits Fragen des Tierschutzes und der ethischen Behandlung von Tieren, in der Oberschule kommen Umweltschutz und Biodiversität hinzu. Der Ansatz ist also stufenweise gedacht. Haustiere ja – Nutztiere nein So begrüßenswert der Schritt ist, so deutlich ist auch seine Grenze. Der Lehrplan beschränkt sich ausschließlich auf Haustiere. Schweine, Rinder, Hühner oder andere Tiere, die in der Landwirtschaft gehalten werden, kommen im offiziellen Curriculum nicht vor. Diese Unterscheidung ist nicht zufällig – sie spiegelt eine politische Entscheidung wider, die Tierschutzorganisationen offen kritisierten. Die Fondation Droit Animal, Éthique et Sciences (LFDA), die an der Entwicklung des Lehrplans mitgewirkt hatte, sprach von einem „bemerkenswerten Fortschritt\", ließ aber keinen Zweifel an ihrer Enttäuschung: Das Bildungsministerium habe sich bewusst auf Haustiere beschränkt, obwohl der gesellschaftliche Diskurs schon längst weiter sei. Die Frage, was ein Tier als Individuum ausmacht – unabhängig davon, ob es im Wohnzimmer oder im Stall lebt –, bleibt im offiziellen Lehrplan vorerst außen vor. Diese Einschränkung wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass Frankreich eine der höchsten Tieraussetzungsraten in Europa hat und der Umgang mit Nutztieren gesellschaftlich zunehmend kritisch diskutiert wird. Ein Unterricht, der Kindern beibringt, dass Haustiere Schmerz empfinden und Respekt verdienen, wirft zwangsläufig die Frage auf, warum diese Erkenntnis nicht für alle Tiere gelten soll. Diese Frage beantwortet der Lehrplan nicht – er vermeidet sie. Zwischen Anerkennung und berechtigter Kritik Tierschutzorganisationen begrüßten die Neuerung grundsätzlich, sahen darin aber gleichzeitig eine verpasste Gelegenheit. Dass das Modul in der Praxis Ausgangspunkt für weiterführende Gespräche sein könnte – etwa darüber, was ein Tier grundsätzlich zum Individuum macht –, bleibt den einzelnen Lehrkräften überlassen. Der Lehrplan gibt das nicht vor, er lässt es nur zu. Ein nationaler Plan und seine Grenzen Der Schulunterricht ist nicht isoliert zu betrachten. Im Mai 2024 veröffentlichte die französische Regierung parallel dazu einen nationalen Plan zur Verbesserung des Wohlergehens von Haustieren. Schwerpunkte des Plans sind die Bekämpfung von Tieraussetzungen, die Prävention von Misshandlungen und ein besseres Management streuender Hunde und Katzen. Wer seit Oktober 2022 ein Haustier aufnimmt, muss bereits ein sogenanntes „Wissens- und Verantwortungsbekenntnis\" unterschreiben. Das zeigt: Frankreich versucht, das Thema Tierschutz von mehreren Seiten anzugehen – rechtlich, gesellschaftlich und bildungspolitisch. Ob der Ansatz langfristig wirkt, lässt sich noch nicht beurteilen. Die Unterrichtseinheiten sind erst seit wenigen Monaten Realität, belastbare Studien zur Wirksamkeit fehlen erwartungsgemäß noch. Was die Forschung sagt Grundsätzlich gibt es Belege dafür, dass frühe Tierschutzerziehung über den unmittelbaren Umgang mit Tieren hinauswirkt. Untersuchungen aus Pädagogik und Entwicklungspsychologie weisen darauf hin, dass Kinder, die früh lernen, Tiere als empfindungsfähige Wesen zu begreifen, tendenziell stärkere soziale Kompetenzen und eine bessere emotionale Regulierung entwickeln. Umgekehrt gilt frühes aggressives Verhalten gegenüber Tieren als möglicher Indikator für spätere Verhaltensauffälligkeiten. Ob sich diese Zusammenhänge durch ein Schulmodul gezielt beeinflussen lassen, ist eine andere Frage. Bildung wirkt selten linear, und der Unterricht konkurriert mit Einflüssen aus dem Elternhaus, dem sozialen Umfeld und medialen Prägungen. Frankreich setzt hier auf einen langen Atem. Warum Deutschland diesen Weg nicht geht Der Vergleich mit Deutschland liegt nahe – und er ist aufschlussreich. Denn eigentlich wären die Voraussetzungen hierzulande sogar besser: Deutschland hat 2002 als erstes EU-Land den Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen und damit zum Staatsziel erhoben. Ein klarerer politischer Auftrag lässt sich kaum formulieren. Und dennoch findet sich davon im Schulalltag wenig. Der Hauptgrund dafür ist struktureller Natur. Laut Grundgesetz ist die Bildungspolitik Sache der Bundesländer (Kulturhoheit). Dies hat dazu geführt, dass sich die Schulsysteme in Deutschland teilweise stark zwischen den Bundesländern unterscheiden. Was in Bayern im Lehrplan steht, muss in Bremen noch lange nicht vorkommen – und umgekehrt. Ein bundesweit verbindliches Schulfach oder auch nur ein verpflichtendes Unterrichtsmodul zum Tierschutz ist in diesem System ohne koordinierten politischen Willen aller 16 Bundesländer schlicht nicht durchsetzbar. Obwohl Tierschutz im Grundgesetz unmissverständlich als Aufgabe des Staates festgelegt ist, wird dieser in vielen Schulen kaum bis gar nicht vermittelt. Zwar sind meist Projekte zur Entdeckung von Natur und Umwelt durch Kinder vorgesehen, Themen wie der Bezug des Menschen zu Tieren und der artgerechte Umgang sind hierbei sekundär. Auch in aktuellen Lehrplänen finden sich Tierhaltung und Pflege, die Beziehung von Mensch und Tier sowie die Verantwortung des Menschen gegenüber Tieren und der Natur kaum wieder. Tierschutzverbände und Bildungsorganisationen füllen diese Lücke seit Jahren mit freiwilligen Angeboten. Ausgebildete Tierschutzlehrer besuchen Grundschulen auf Anfrage, Tierschutzvereine bieten Projekttage an, einzelne Lehrkräfte integrieren das Thema in den Sachkundeunterricht – wenn sie es wollen. Verpflichtend ist nichts davon. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich: Ob ein Kind in Deutschland etwas über Tierschutz lernt, hängt im Wesentlichen davon ab, in welchem Bundesland es zur Schule geht und ob sein Lehrer das Thema für relevant hält. Frankreich hat diesen Zufallsfaktor mit einer zentralstaatlichen Entscheidung beseitigt. Deutschland, mit seiner föderalen Bildungsstruktur und einer Kultusministerkonferenz, die auf Konsens angewiesen ist, tut sich mit vergleichbaren Schritten strukturell schwerer – selbst dann, wenn der politische Wille grundsätzlich vorhanden wäre. Ein Schritt, kein Paradigmenwechsel Was bleibt, ist eine nüchterne Einschätzung: Frankreich hat etwas in Gang gesetzt, das in dieser Form neu ist – einen gesetzlich verankerten, national einheitlichen Tierschutzunterricht ab der ersten Grundschulklasse. Das ist mehr als symbolische Politik. Gleichzeitig wäre es übertrieben, darin bereits einen fundamentalen Wandel zu sehen. Die Beschränkung auf Haustiere, das bewusste Ausklammern von Nutztieren, das Fehlen konkreter Bewertungskriterien und die offene Frage nach der tatsächlichen Umsetzung im Schulalltag lassen Spielraum für Skepsis. Dass das Thema überhaupt im Klassenzimmer angekommen ist, ist dennoch eine Verschiebung – klein im Umfang, aber möglicherweise bedeutsam in ihrer Langzeitwirkung. Und für Deutschland ist der französische Ansatz zumindest ein Spiegel, der zeigt, was möglich wäre, wenn Verfassungsauftrag und Bildungspraxis tatsächlich zusammengedacht würden.", "Deutsch Female");
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<p>Seit dem Schuljahr 2024/25 ist Tierschutz kein freiwilliges Randthema mehr im französischen Bildungssystem. Erstmals lernen Erstklässler im Rahmen des Moral- und Staatsbürgerkundeunterrichts, wie man mit Haustieren umgeht und warum Tiere Respekt verdienen. Was auf den ersten Blick wie eine kleine Lehrplanergänzung wirkt, ist das Ergebnis eines mehrjährigen politischen Prozesses – und Teil einer breiteren gesellschaftlichen Debatte darüber, wie Frankreich künftig mit Tieren umgehen will.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Gesetz schafft die Grundlage</h2>



<p>Der eigentliche Startschuss fiel bereits im November 2021, als das französische Parlament ein Gesetz verabschiedete, das explizit darauf abzielte, Tierquälerei zu bekämpfen. Neben schärferen Strafen – bis zu fünf Jahre Haft und Geldbußen von 75.000 Euro für schwere Misshandlungen – enthielt das Gesetz einen weniger spektakulären, aber langfristig bedeutsamen Passus: Schulen sollen Schüler für den Respekt gegenüber Haustieren sensibilisieren. Haustiere sollen dabei als empfindungsfähige Wesen vermittelt werden, nicht als Besitztümer.</p>



<p>Es dauerte allerdings noch zwei Schuljahre, bis dieser Gesetzesauftrag tatsächlich im Lehrplan ankam. In den Jahren 2022 und 2023 blieb das Thema Tierschutz im offiziellen Curriculum weitgehend unsichtbar. Das änderte sich mit dem Schuljahresbeginn 2024.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Erstklässler jetzt lernen</h2>



<p>Der neue Lernbereich trägt den etwas sperrigen Namen „Umgang mit dem Respekt gegenüber Haustieren&#8220; und ist dem Kompetenzbereich „Kollektive Regeln und Autonomie&#8220; zugeordnet. Er richtet sich zunächst an Kinder im ersten Grundschuljahr, also an Sechs- bis Siebenjährige. Inhaltlich geht es darum, dass Tiere Schmerz empfinden, Stress erleben und Wohlbefinden kennen – und dass menschliches Verhalten diese Erfahrungen direkt beeinflusst.</p>



<p>Lehrer sollen Kindern helfen zu verstehen, welchen Respekt sie Lebewesen in ihrer unmittelbaren Umgebung schulden. Das klingt abstrakt, ist im Schulalltag aber durchaus greifbar: Wie geht man mit dem Familienhund um? Was braucht eine Katze? Warum ist es falsch, Tieren absichtlich wehzutun?</p>



<p>Eingebettet ist der Tierschutz damit in einen größeren Bildungsauftrag, der auf Empathie und Verantwortungsbewusstsein abzielt. Gleichzeitig soll das Grundschulmodul als Fundament für spätere Unterrichtsinhalte dienen. In der Mittelschule behandeln französische Schüler bereits Fragen des Tierschutzes und der ethischen Behandlung von Tieren, in der Oberschule kommen Umweltschutz und Biodiversität hinzu. Der Ansatz ist also stufenweise gedacht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Haustiere ja – Nutztiere nein</h2>



<p>So begrüßenswert der Schritt ist, so deutlich ist auch seine Grenze. Der Lehrplan beschränkt sich ausschließlich auf Haustiere. Schweine, Rinder, Hühner oder andere Tiere, die in der Landwirtschaft gehalten werden, kommen im offiziellen Curriculum nicht vor. Diese Unterscheidung ist nicht zufällig – sie spiegelt eine politische Entscheidung wider, die Tierschutzorganisationen offen kritisierten.</p>



<p>Die Fondation Droit Animal, Éthique et Sciences (LFDA), die an der Entwicklung des Lehrplans mitgewirkt hatte, sprach von einem „bemerkenswerten Fortschritt&#8220;, ließ aber keinen Zweifel an ihrer Enttäuschung: Das Bildungsministerium habe sich bewusst auf Haustiere beschränkt, obwohl der gesellschaftliche Diskurs schon längst weiter sei. Die Frage, was ein Tier als Individuum ausmacht – unabhängig davon, ob es im Wohnzimmer oder im Stall lebt –, bleibt im offiziellen Lehrplan vorerst außen vor.</p>



<p>Diese Einschränkung wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass Frankreich eine der höchsten Tieraussetzungsraten in Europa hat und der Umgang mit Nutztieren gesellschaftlich zunehmend kritisch diskutiert wird. Ein Unterricht, der Kindern beibringt, dass Haustiere Schmerz empfinden und Respekt verdienen, wirft zwangsläufig die Frage auf, warum diese Erkenntnis nicht für alle Tiere gelten soll. Diese Frage beantwortet der Lehrplan nicht – er vermeidet sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Anerkennung und berechtigter Kritik</h2>



<p>Tierschutzorganisationen begrüßten die Neuerung grundsätzlich, sahen darin aber gleichzeitig eine verpasste Gelegenheit. Dass das Modul in der Praxis Ausgangspunkt für weiterführende Gespräche sein könnte – etwa darüber, was ein Tier grundsätzlich zum Individuum macht –, bleibt den einzelnen Lehrkräften überlassen. Der Lehrplan gibt das nicht vor, er lässt es nur zu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein nationaler Plan und seine Grenzen</h2>



<p>Der Schulunterricht ist nicht isoliert zu betrachten. Im Mai 2024 veröffentlichte die französische Regierung parallel dazu einen nationalen Plan zur Verbesserung des Wohlergehens von Haustieren. Schwerpunkte des Plans sind die Bekämpfung von Tieraussetzungen, die Prävention von Misshandlungen und ein besseres Management streuender Hunde und Katzen. Wer seit Oktober 2022 ein Haustier aufnimmt, muss bereits ein sogenanntes „Wissens- und Verantwortungsbekenntnis&#8220; unterschreiben.</p>



<p>Das zeigt: Frankreich versucht, das Thema Tierschutz von mehreren Seiten anzugehen – rechtlich, gesellschaftlich und bildungspolitisch. Ob der Ansatz langfristig wirkt, lässt sich noch nicht beurteilen. Die Unterrichtseinheiten sind erst seit wenigen Monaten Realität, belastbare Studien zur Wirksamkeit fehlen erwartungsgemäß noch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die Forschung sagt</h2>



<p>Grundsätzlich gibt es Belege dafür, dass frühe Tierschutzerziehung über den unmittelbaren Umgang mit Tieren hinauswirkt. Untersuchungen aus Pädagogik und Entwicklungspsychologie weisen darauf hin, dass Kinder, die früh lernen, Tiere als empfindungsfähige Wesen zu begreifen, tendenziell stärkere soziale Kompetenzen und eine bessere emotionale Regulierung entwickeln. Umgekehrt gilt frühes aggressives Verhalten gegenüber Tieren als möglicher Indikator für spätere Verhaltensauffälligkeiten.</p>



<p>Ob sich diese Zusammenhänge durch ein Schulmodul gezielt beeinflussen lassen, ist eine andere Frage. Bildung wirkt selten linear, und der Unterricht konkurriert mit Einflüssen aus dem Elternhaus, dem sozialen Umfeld und medialen Prägungen. Frankreich setzt hier auf einen langen Atem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Deutschland diesen Weg nicht geht</h2>



<p>Der Vergleich mit Deutschland liegt nahe – und er ist aufschlussreich. Denn eigentlich wären die Voraussetzungen hierzulande sogar besser: Deutschland hat 2002 als erstes EU-Land den Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen und damit zum Staatsziel erhoben. Ein klarerer politischer Auftrag lässt sich kaum formulieren. Und dennoch findet sich davon im Schulalltag wenig.</p>



<p>Der Hauptgrund dafür ist struktureller Natur. Laut Grundgesetz ist die Bildungspolitik Sache der Bundesländer (Kulturhoheit). Dies hat dazu geführt, dass sich die Schulsysteme in Deutschland teilweise stark zwischen den Bundesländern unterscheiden. Was in Bayern im Lehrplan steht, muss in Bremen noch lange nicht vorkommen – und umgekehrt. Ein bundesweit verbindliches Schulfach oder auch nur ein verpflichtendes Unterrichtsmodul zum Tierschutz ist in diesem System ohne koordinierten politischen Willen aller 16 Bundesländer schlicht nicht durchsetzbar.</p>



<p>Obwohl Tierschutz im Grundgesetz unmissverständlich als Aufgabe des Staates festgelegt ist, wird dieser in vielen Schulen kaum bis gar nicht vermittelt. Zwar sind meist Projekte zur Entdeckung von Natur und Umwelt durch Kinder vorgesehen, Themen wie der Bezug des Menschen zu Tieren und der artgerechte Umgang sind hierbei sekundär. Auch in aktuellen Lehrplänen finden sich Tierhaltung und Pflege, die Beziehung von Mensch und Tier sowie die Verantwortung des Menschen gegenüber Tieren und der Natur kaum wieder.</p>



<p>Tierschutzverbände und Bildungsorganisationen füllen diese Lücke seit Jahren mit freiwilligen Angeboten. Ausgebildete Tierschutzlehrer besuchen Grundschulen auf Anfrage, Tierschutzvereine bieten Projekttage an, einzelne Lehrkräfte integrieren das Thema in den Sachkundeunterricht – wenn sie es wollen. Verpflichtend ist nichts davon.</p>



<p>Das Ergebnis ist ein Flickenteppich: Ob ein Kind in Deutschland etwas über Tierschutz lernt, hängt im Wesentlichen davon ab, in welchem Bundesland es zur Schule geht und ob sein Lehrer das Thema für relevant hält. Frankreich hat diesen Zufallsfaktor mit einer zentralstaatlichen Entscheidung beseitigt. Deutschland, mit seiner föderalen Bildungsstruktur und einer Kultusministerkonferenz, die auf Konsens angewiesen ist, tut sich mit vergleichbaren Schritten strukturell schwerer – selbst dann, wenn der politische Wille grundsätzlich vorhanden wäre.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Schritt, kein Paradigmenwechsel</h2>



<p>Was bleibt, ist eine nüchterne Einschätzung: Frankreich hat etwas in Gang gesetzt, das in dieser Form neu ist – einen gesetzlich verankerten, national einheitlichen Tierschutzunterricht ab der ersten Grundschulklasse. Das ist mehr als symbolische Politik. Gleichzeitig wäre es übertrieben, darin bereits einen fundamentalen Wandel zu sehen. Die Beschränkung auf Haustiere, das bewusste Ausklammern von Nutztieren, das Fehlen konkreter Bewertungskriterien und die offene Frage nach der tatsächlichen Umsetzung im Schulalltag lassen Spielraum für Skepsis.</p>



<p>Dass das Thema überhaupt im Klassenzimmer angekommen ist, ist dennoch eine Verschiebung – klein im Umfang, aber möglicherweise bedeutsam in ihrer Langzeitwirkung. Und für Deutschland ist der französische Ansatz zumindest ein Spiegel, der zeigt, was möglich wäre, wenn Verfassungsauftrag und Bildungspraxis tatsächlich zusammengedacht würden.</p>
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